Luft hole und öppis us der Luft usehole

“Rhythmus und Pouse,
Rhythmus und Pouse,
Rhythmus und Pouse.

Luft hole und öppis
us der Luft usehole.”

schreibt der Mundart-Schriftsteller Pedro Lenz in seinem Text “Fahre”, der vom unterwegs sein in der Schweiz handelt. Dabei beobachtet er die vorbeiziehenden Landschaften, vielmehr aber auch die Menschen, wie siemiteinander kommunizieren und wie sie zueinander in Beziehung stehen.

“Überau gsehtme Buechstabe,
wo me häreluegt, Buechstabe,
Buechstabe mache Wörter
Und Wörter mache Musig.

Luft hole und öppis
us der Luft usehole.”

Dieser Text inspiriert mich schon seit Jahren stets von neuem: Rhythmus, Pause, Luft holen und atmen. Wörter, Stimme, Musik. Doch was steckt dahinter? Und wie passt das alles zusammen? Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal an einem Workshop Wochenende darauf Antworten finden würde und alles einen Sinn ergibt; im Mensch sein, als Teil einer Gruppe dies zu erfahren.

Auch das Unleash Project von euforia inspiriert mich stets von Neuem: bisher nahm ich an jeder Durchführung des Unleash Project teil, und so fühlte sich dieses erste Wochenende des mittlerweile dritten sogenannten “Unleash-Cycles” wie ein nach Hause kommen an: zurück zu teils vertrauten Gesichtern, hin zu teils noch unbekannten Menschen und ihren persönlichen Ansichten. Menschen, deren Hoffnungen, Träume und Wünsche auf positive Veränderungen in der Gesellschaft mir noch unbekannt waren. Und auch zurück zu mir und der Auseinandersetzung mit meinen ganz persönlichen Stärken und Schwächen, meinen Leidenschaften und Interessen, und wie ich mein Potenzial weiterentwickeln kann, um meinerseits an der Gestaltung einer wünschenswerten Zukunft mitwirken kann.

Angeleitet und liebevoll begleitet durch ein erfahrenes Facilitation Team von euforia, begann der gemeinsame Weg am ersten Tag mit einem Foto-Dialog, führte weiter entlang dem Fluss des Lebens, wo wir eingeladen wurden zum Verweilen und zur Auseinandersetzung mit den Fragen «Woher komme ich? Was hat mich geprägt? Was ist mir wichtig?». Ein Improvisationstheater, vier Perspektiven und ein Blick in die Zukunft rundeten den Tag ab.

Am Sonntagmorgen erwartete uns Peter Roth mit seiner Leidenschaft für die menschliche Stimme, die Klänge der Natur und seinen Instrumenten. Peter nahm uns mit auf eine Reise in die Welt des Atems, der Stimme und des Rhythmus: Nahrung für Körper, Geist und Seele. Schwingungen, Wellen, das Unmittelbare und die Intuition wurden auf verschiedensten Ebenen angesprochen und ich erlebte, wie durch die Durchlässigkeit meines Körpers und jener der anderen Teilnehmenden ein musikalisches Gruppenerlebnis entstehen konnte, wie ich es bisher noch nicht kannte.

Der Transfer des Erlebten in unser Alltagsleben rundete das – aus meiner Sicht - bisher stimmigste Unleash Wochenende ab. Im Laufe des Wochenendes entstand eine tiefe Verbundenheit, und das Bewusstsein, wie wichtig es ist, Raum zu schaffen, damit Menschen ihr Potenzial erkennen und entfalten können.

Der Zauber, der aus dem echten Interesse an den anderen Menschen und dem Zuhören und Verstehen-Wollen unterschiedlicher Perspektiven entstand, wird mich bis zum nächsten Unleash Wochenende begleiten. Die beiden Tage im November widmen sich den Themen Diversität und neue Arbeitsweisen als Katalysator für Wandel in Organisationen und der Gesellschaft.

Bis dahin begleitet mich auch Pedro’s Text, der in seinen letzten Zeilen etwas anspricht, was mir nach dem Unleash Wochenende sehr präsent ist und nachhallt:

“(...) aber genau dörte, genau ir Luft,
vermehrt sech vilecht der Wärt,
vo däm wo me nid cha mässe.”

- Matthias Goldenberger, 16.10.2018

Die Durchführung dieses Unleash-Wochenendes wurde ermöglicht dank der grosszügigen Unterstützung der Drosos Stiftung und des Kulturparks Zürich.

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