Netzwerke statt Hierarchien und Selbstbefähigung statt Fremdbestimmung

Fragen, Chancen und Herausforderungen rund um die Generation Y sowie Rezepte für ein erfolgreiches Generationenmanagement wurden an unserem gestrigen Generation Y-Workshop mit dem Lorange Business Institut in Horgen thematisiert. Nach drei Key Note Speeches am Vormittag, wurden am Nachmittag in drei Workshops innovative Möglichkeiten für die generationenübergreifende Zusammenarbeit erarbeitet, um das Potenzial der Generation Y optimal zu nutzen.

Fluch und Segen zugleich scheint die Generation Y im Arbeitsalltag zu sein. Innovativ, kreativ und digital, loben Führungskräfte, zugleich jedoch alles hinterfragend und nicht anpassungsfähig, klagen sie im selben Atemzug. Ein Generationenproblem?

Nein, findet Steffi Burkhart, Buchautorin und „Sprachrohr der Generation Y“. Spannungen in der Arbeitswelt entstünden nicht durch den Altersunterschied, sondern durch unterschiedliche Glaubenssätze. Viele junge Menschen seien im materiellen Wohlstand aufgewachsen und hätten von den Eltern stets das Gefühl erhalten, alles erreichen zu können. Deshalb hätten sie andere Werte und Statussymbole als Vorgängergenerationen, die eher nach Geld und Sicherheit strebten: „Wir Jungen suchen sinnstiftende Tätigkeiten, wünschen uns Flexibilität und Kollaboration in Netzwerken statt starre Hierarchien.“

Mit diesem Wandel seien viele Unternehmen überfordert. Sie müssten traditionelle Strukturen aufbrechen, Hierarchien ab- und Netzwerke aufbauen, sagt Burkhart. „Das erfordert einen Wandel in der Tiefe, auf der Unternehmenskulturebene. Gratis-Kaffee oder einen Kicker im Büro reicht nicht.“

Führung 2.0
Die klassischen Vorurteile gegenüber der Generation Y lassen Chantal Calame (Chief Euphoric Officer) und Severin von Hünerbein (Co-Director Facilitation, Training und Coaching) nur bedingt gelten. Unter den oberflächlichen Klischees wie Spassorientiertheit, Illoyalität und Ichbezogenheit stecke viel Potenzial, Kreativität und Innovation, sagen sie und erinnern an Albert Einstein, der einige seiner wichtigsten Werke im Alter von 26 Jahren veröffentlichte.

Chantal Calame fordert Unternehmen dazu auf, jungen Mitarbeitenden mehr Raum zur Selbstbefähigung, zu informellem Lernen und zur Vernetzung zu geben. Mitarbeitende sollen experimentieren und Fehler machen dürfen, aus ihrer Komfortzone herauskommen. Ein transparenter, vertrauensbasierter und kollaborativer Führungsstil lasse deren Potenzialentfaltung zu. „Was die Unternehmen geben, wird auch zurückkommen“, verspricht sie.

LunchLottery zum Austausch
Der Unternehmensberater Lyle Tölle von Inspire 925 rät, sich stets auf die vier emotionalen Grundbedürfnisse nach dem Psychologen Klaus Grawe zu besinnen: Bindung, Selbstwerterhöhung, Kontrolle und Sicherheit sowie Lust bzw. Unlustvermeidung. Mit kreativen Massnahmen könnten diese erfüllt werden, beispielsweise mit Walking meetings, Veröffentlichung von Geschäftsprotokollen oder einer LunchLottery (Mitarbeitende gehen gemeinsam Essen, das Los bestimmt den Lunch-Partner).

Anna Fritsche, Graphic Facilitator, begleitete den Tag mit Filzstiften und erstelle ein visuelles Protokoll.

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